Der Autor beschreibt – lebhaft, spannend und teilweise fast im Stile eines Historienromanes – wie sich Weitergabe und Entwicklung von Kultur ergibt. Sein Augenmerk liegt darauf, dass Kultur sehr selten aus sich selbst entsteht, sondern immer durch eine Kombination schon vorhandener und fremder Einflüsse geprägt wird. Gesellschaften haben sich primär durch Wiederentdeckungen, Nachahmungen, Übernahmen von Elementen anderer Kulturen entwickelt und nur sekundär durch eigene Innovationen. Kultur entstehe im Austausch mit anderen und in der Integration von externen Impulsen und sei riesiges Recycling-Projekt. Anhand von 15 historischen Sequenzen wird aufgezeigt, dass Kultur nicht jeweils die Ressource einer Gruppen ist, sondern wie sich diese im Austausch mit anderen, mal als geliehen, mal als Verschmelzung von Ideen entwickelt. Und wie wir für unser Überleben und unsere Fähigkeiten aus einer Mischung von Originalität und kultureller Aneignung schöpfen. Ein anregender, historisch fundiert dargelegter Impuls zum konflikthaften Thema der kulturellen Aneignung.
Kultur. Eine neue Geschichte der Welt von Martin Puchner